Diversity und Mode

MiyaDesign, Science1 Comment

Endmodell 2

Wahrscheinlich stellt ihr euch unter diesem Namen etwas anderes vor. Was ich euch hier aber vorstellen möchte, ist meine Arbeit für das Fach Diversity meines Master-Studiums. Es ist keine trockene wissenschaftliche Ausarbeitung, wie man es sich vorstellen könnte, sondern ein kreativer Output zu einem kleinen Projekt von mir. Da ich mich von meinem letzten Studiengang irgendwie nicht lösen kann, habe ich auch hier Outfits als Ergebnis.

In dem Projekt zu Diversity geht es darum, ein Thema aus diesem Bereich für die eigenständige Feldforschung zu entwickeln, sie dann durchzuführen und zu analysieren.

Oh Wunder, oh Wunder, ich habe ein Thema ausgewählt, was mir nahe liegt – die DIY-Bewegung zu analysieren. Natürlich nicht nur ganz grob, sondern zu einem konkreten Sachverhalt: Es geht um die Geschlechter und ihre Rollen bei DIY Kursen. Meine ganz schmal aufgestellte Frage lautete:

Wie wirkt sich bei einem DIY-Event das Geschlecht des Kursleiters auf das Verhalten einer reinen Frauengruppe aus?

Für meine Feldforschung habe ich mehrere Events besucht – einen Strickevent (wer hätte das gedacht), einen Blumenarrangement Kurs und einen Baumarkt Women Event. So konnte ich die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Frauen in gegensätzlichen Umgebungen analysieren und daraus Schlüsse ziehen.

Wie man es auch erwartet, gibt es Unterschiede in Verhaltensweisen der Frauengruppen in unterschiedlichen Bereichen. Doch haben sich andere Erwartungen nicht bestätigt. Ich finde, man hat schon beim Denken über die Events klischeehafte Rollen im Kopf, die die unterschiedlichen Teilnehmerinnen und Kursleiter einnehmen könnten. Ein Machogehabe der männlichen Leiter oder Zickenhaftigkeit der weiblichen – das alles schwirrt uns im Kopf herum. Man merkt schon an den Beschreibungen, dass das wirklich nur Klischees sind.

Im realen Leben waren die Ergebnisse etwas anders: die Frauen im rein weiblichen Kurs waren viel entspannter und haben kaum Rollen eingenommen. Es war einfach eine ruhige, lockere und fröhliche Atmosphäre ohne Anstrengung.

Dagegen gab es bei dem Baumarkt Event sehr viele Rollen und eine ungemütliche Spannung in der Kommunikation. Interessant war aber, dass die Rollen nicht den Klischees entsprachen. Es gab z.B. eine erfahrene und selbstbewusste Expertin als Teilnehmerin und einen extrem schüchternen und gütigen Lehrer. Wo Klischees aber tatsächlich auftraten, sind die Erwartungen aller Teilnehmer, z.B. der Kursleiter (wer wählt schon Fugenmaterial mit Glitzer?).

Versucht man diese Ergebnisse in eine kreative Form zu bringen, könnte man im Grunde jede Kunstform nutzen. Bei meinen Vorkenntnissen hat sich Mode als Kunstsparte natürlich angeboten und das hat sicher auch Spaß gemacht.

In meinem Prozess habe ich für die Konzeption der zwei unterschiedlichen Modelle erst Schlagwörter aus meinen Projektergebnissen herausgeschrieben, um so Unterschiede und Gemeinsamkeiten für die Umsetzung der Outfits zu erkennen.

Diversity Stichwörter

Im nächsten Schritt habe ich die diese Eigenschaften in die Modesprache übersetzt. Die Farben, Formen, Materialien etc. sollen in ihrer Gesamtheit genau dem entsprechen, was als Aussage gilt. An diesem Punkt habe ich auch das Ziel anvisiert, dass dem Träger meiner Modelle durch das Anziehen die zwei verschiedenen Atmosphären verständlich werden.

Für mich haben sich die Assoziationen in den folgenden Parametern verfestigt: Das Modell zur reinen Frauengruppe soll wenige Unterteilungen haben (wenige Rollen), es soll natürliche Hauttöne und helle Farben beinhalten (nah am natürlichen Gemütszustand), es soll kuschelige Materialien und lockere Oversize-Schnitte verwenden (gemütliche Atmosphäre), zumindest der Hals soll frei sein (kein Schutz in Form von Rollen nötig) und es sollen traditionelle Elemente beinhalten (traditionell weibliche Handwerksarten). Dazu habe ich mehrere Entwürfe gemacht bis ich mich später für einen entschieden habe.

Im Gegensatz dazu soll der Frauenkurs mit Männerleitung komplexer dargestellt werden. Es sollen viele Teilungsnähte und unterschiedliche Elemente vorhanden sein (viele Rollen), auch mehrere Farben, die eher düster sind (größere Spannung). Das Modell soll unbequem und bewegungshemmend sein (anstrengende Kommunikation), es soll aber auch die weiblichen Klischees darstellen (Erwartungen der Leiter), geschlossen und teils rüsterhaft sein (Abschirmung durch Rollen). Folgende Entwürfe sind dabei entstanden:

Die Entwürfe, die im Endeffekt am besten den Anforderungen entsprachen, seht ihr hier:

Letztendlich zeige ich euch natürlich auch die genähten Modelle. Viel Spaß beim Durchblättern! Was meint ihr, hat es gut geklappt, meine Projektergebnisse als Outfits kreativ zu visualisieren? 😉

One Comment on “Diversity und Mode”

  1. Eine tolle Forschungsarbeit zur DIY-Bewegung und den darin vorhandenen Rollenbildern. Darüber hinaus eine intelligente Übertragung auf Bekleidungsentwürfe. Die beiden Kleidungsstücke repräsentieren die Gefühle und das Rollenverständnis der Teilnehmer von DIY-Events auf treffende Weise!!

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